Samstag, 20. September 2014

Leid und Freude liegen nah beieinander

Erst einmal:

RIP Mr. Holmes

Er war ein toller Hahn, aber ich habe mich gestern schweren Herzens entschlossen, ihn sanft einschläfern zu lassen. Die Entscheidung ist mir immens schwer gefallen, ich habe es mir nicht leicht gemacht. Und mir kamen immer mal wieder die Tränen im Vorfeld. Auch jetzt noch. Ich hätte nie gedacht, daß ich Hühner so toll finden werde.
Ich bin gestern zur Tierärztin gefahren, und sie hat ihn sich noch einmal angeschaut, nachdem er einen Monat lang von mir liebevoll gehegt und gepflegt wurde. Aber eben in einer Kiste, damit er sich nicht zuviel bewegt und zulegt. Aber er wollte einfach nicht laufen. Letzte Woche meinte die Tierärztin, wir geben ihm noch die Woche, da ich fast den Eindruck hatte, er hat seine Beine beim Flattern ein wenig bewegt. Aber die letzten Tage wirkte er steifer. Er gurrte immer glücklich, wenn ich ihn nach dem Füttern ins Gras gesetzt habe und er Löwenzahn knabbern konnte. Er war wirklich ein hübscher Schatz. Und obwohl er nicht laufen konnte, nahm er seine Aufgabe des Aufpassens noch immer sehr genau. Selbst auf meinem Arm warnte er noch, wenn er einen Milan sah.
Die Tierärztin meinte, er hätte es mit den Gelenken, wie eine Arthrose. Wahrscheinlich bakteriell bedingt, aber es ist leider auch nicht bei Vögeln behandelbar. Sie hat sich wirklich Mühe gegeben und ist auch eine ganz Liebe. Leider streut das irgendwann und verursacht auch Schmerzen. Das ist kein Leben für einen stolzen Hahn. Hühner müssen rumlaufen, ihre Umgebung neugierig erkunden, überall zupfen, Insekten, Eidechsen usw. jagen, sandbaden und dabei begeistert vor sich hingurren, miteinander kuscheln, sich mal streiten und das Gefieder spreizen oder auch einfach frech jemandem in den Schuh picken.
Er ist ganz friedlich eingeschlafen, und die Tierärztin, die lustigerweise auch aus Berlin-Köpenick kommt, hat ihm anschließend den Kopf unter den Flügel gelegt. Wie es sich gehört, meinte sie. Sie gestand mir dann, daß ihre Hühner auch eher an Altersschwäche sterben, weil sie sie so individuell findet.
Nun ruht Mr. Holmes ebenfalls im Ahnenhain, ich habe ihm noch ein Löwenzahnsträußchen mit ins Grab gelegt, und eine Feldsteinpyramide markiert die Stelle.

Dafür wächst Monsieur Poirot in seine Hähnchenrolle hinein. Er hält die Hühnerschar beieinander, damit ja keins irgendwo verlustig geht, besteht auf die fettesten Brocken (neulich hat er einer Henne eine Eidechse abgejagt, er muß noch etwas an seinen Gentlemanqualitäten als Hahn arbeiten) und ist auch sonst ziemlich witzig. Er balzt immer mal meine Schuhe an und ist der Zahmste in der Hühnerschar. Er war das kleinste Küken, weshalb ich ihn anfangs für eine Henne gehalten habe. Aber mit 5 Wochen war klar, daß dem nicht so ist, und das muß er jetzt natürlich ein wenig raushängen lassen. Seine Lieblingshenne scheint mir interessanterweise Miss Marple zu sein. Madame Pompadour war Mr. Holmes Lieblingshenne, aber sie hat nach wie vor die Vorrangstellung unter den Hennen. Grete und Piccadilly bilden den Schluß, aber obwohl Piccadilly am meisten gescheucht wird und die Kleinste ist, ist sie auch ziemlich gewitzt. Gerade eben hat sie eine Heuschrecke verteidigt, indem sie hakenschlagend durch die Gegend gerast ist und hat sie dann mit einem Haps runtergeschluckt.



Hatte ich schon erwähnt, daß ich mein Herz für Hühner entdeckt habe? Das sind mal wirklich auch Individualisten. Bei Hühnern denkt man zwangsläufig immer an etwas dümmliche Kreaturen, die nur gackernd vor sich hinrennen. Aber das sind sie nicht. Wie die einen schon angucken und ihren Charakter offenbaren ... Wahnsinn. Und die sind intelligent. Nicht alle gleich, das ist klar. Grete ist hier so die Doofe unter meinen Hühnern, aber auch die ist jetzt nicht wirklich dämlich. Sie müssen eben einfach nur die Chance kriegen, sich zu entwickeln, viele Eindrücke mitnehmen, und dazu gehört einfach viel Auslauf, kein Käfig. Meine haben 3000 qm Platz, um sich zu entfalten, und jeden Tag wagen sie sich ein Stück weiter vor, auch wenn sie ihre Lieblingsstellen haben. Z.B. unter der Haselnuß, unter der sie eine weitere Sandbadestelle eröffnet haben. Sie sitzen auch mal gern auf der Bank, was auch immer lustig aussieht. Oder ich erhasche gerade noch einen Blick, wie sie vom Ahnenhain aus am Zaun der Nachbarin entlang Richtung Obstwiese schlendern.
Jeden Tag sind sie aufs Neue spannend.

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